Musiktipp: Christoph Forstner – Amerika

Christoph Forstner oder Austropop, gebraut nach dem Reinheitsgebot…

Seit einigen Jahren schickt der Singer-Songwriter Christoph Forstner in schöner Unregelmäßigkeit Lieder aus seiner steirischen Heimat Rottenmann ins Land hinaus.
Jetzt veröffentlicht er sein Debut-Album “Leb”. 

Ich möchte dir hier die Single “Amerika” vorstellen,
weitere Songs von Christoph findest du auf seinen Profilen.

Manchmal sagen Bilder viel über einen Menschen aus:
YouTube. Suche nach Christoph Forstner und Treffer. Junger Mann, hoch droben am Berg, will noch höher hinaus, als es eh schon fast nicht mehr möglich ist. Was bleibt, ist das Gipfelkreuz selbst zu besteigen. Da hockt er dann auf dem Stahlgerüst, spielt Gitarre und singt dabei sein Lied ‚Leb‘. Die selbsterfüllende Prophezeiung, daher ist runterfallen keine Alternative. Aber Forstner ist kein Hasardeur, er kennt sich aus auf Gerüsten, Dächern. Als Stahlbauer verdient er sein Geld und im Ochsenmastbetrieb der Tante lebt er seine Liebe zur Natur aus. Christoph Forstner beschreibt sich selbst als ‚sehr heimatverbunden‘ und wenn er in seinem Lied ‚Amerika‘ anmerkt, dass er, sollte er es einmal nach Amerika schaffen, nicht wiederkommen würde, dann singt er damit nicht ihm, sondern einem guten Freund aus der Seele. ‚Ich würde sicher wieder zurückkommen‘, sagt er, aber dieses Lied, es ist wie die meisten Songs auf seinem Debutalbum ein musikalischer Bilderbogen, gebunden aus Erinnerungen an Situationen, Beobachtungen und Empfindungen.

‚Musik war schon immer ein Thema für mich‘, sagt der 25jährige. Die ersten Texte verfasste er in Englisch, ist aber recht bald draufgekommen, dass ihm der sterische Dialekt wesentlich mehr Gestaltungsfreiheiten ermöglicht. ‚Es ist unsere Sprache, die von wo wir herkommen und die es mir ermöglicht mich musikalisch so auszudrücken, wie ich bin‘, so Forstner der sich gerne daran erinnert, wie er als Kind durch seinen Onkel den typischen Austropop kennen und lieben lernte. Da ist die Steiermark ohnehin ein besonders fruchtbarer Boden. STS, Steffi Werger und wie sie alle heißen, sie haben die Popularmusik-Kultur des Landes und seiner Leute, über die nächste Generation hinaus, geprägt.
2017, Christoph war gerade erst zwanzig geworden, da stellte er sich bei ‚The Voice‘ der Jury. Mit eigenen Songs im Gepäck. ‚Ich wollte einfach nur herausfinden ob mein Gesamtpaket passt‘, erinnert er sich heute. Als Vierter ging es für ihm nicht in die nächste Runde, aber der Producer Alexander Kahr saß in der Jury und der wurde auf den jungen Steirer aufmerksam. So kam der eine zum anderen.
2018 mit ‚Leb‘ die erste Single. Dann folgten noch zwei weitere. Die ersten Radioeinsätze. ‚Und dann passierte wei Jahre lang fast gar nix‘, wie er sagt und es ging ihm wie den meisten anderen Musiker*innen. Pandemie. Stillstand.
Doch das ist nur zum Teil richtig, denn Forstner und Kahr beschäftigten sich im Tonstudio mit Christophs Liedersammlung. Es hatte sich einiges angestaut in den Jahren und warum nicht die Zeit, wo alles stillsteht, mit Gedanken über ein Album verbringen.

Stück für Stück kristallisierten sich Lieder heraus, welche die kreative Bandbreite des Christoph Forstner eindrucksvoll darstellen. Im Zentrum stehen – zumeist – die Texte. ‚Nur keine leeren Phrasen‘, das hat er beim Schreiben immer im Hinterkopf. Nur keine Reime des Reimens willen. Ausnahmen dürfen und sollen sogar sein. Da und dort Schunkeln ist grundsätzlich kein No-Go. Vor allem Live brauchts auch Bewegung, aber Lieder wie ‚Der alte Mann‘, ‚Schwierige Wöd‘ oder ‚Amerika‘ gehen tiefer und flutschen nicht einfach so an den Ohren vorbei. Sie drängen darauf gehört zu werden.
Auch wie sich Forstner dem Thema Liebe und Partnerschaft annimmt, ist frei von jedem kitschigen Anstrich. ‚Mann und Frau‘ oder ‚Jeder braucht wen‘ sind aufs wesentliche zurückreduziert: akustische Gitarren, kompromisslose Drums und dazu die direkte Ansprache.
Das ist Austropop gebraut nach dem Reinheitsgebot. Live bringt Christoph seine Songs im Quartett mit Band, wiewohl da durchaus auch viel Unplugged-Potential drinsteckt.
Debutalben sind zumeist die erste Visitenkarte der Musiker*innen. Ein ‚das bin ich‘ zum Herzeigen und unter die Leut‘ zu bringen. Mit ‚Leb‘ hat der steirische August-Löwe ein zeitgemäßes, beachtliches erstes Album geschaffen, entstanden zu und in einer Zeit, wo Dialekt wieder angesagt ist.